Was für eine inspirierende Runde in unserem bächle & spree Café! In der aktuellen Frohen Stunde drehte sich alles um das spannende und oft herausfordernde Themenfeld der Verwaltungsdigitalisierung. Zu Gast war Joana Visel, eine passionierte Verwaltungstransformatorin. Mit einer enorm facettenreichen Vita – von défense über das Auswärtige Amt, Projektleiterin für Digitalisierung in der 15.000-Einwohner-Kommune Plochingen und nun in der IT-Leitstelle des Verkehrsministeriums – zeigt sie eindrucksvoll, dass der öffentliche Dienst alles andere als grau ist.
OZG und Agilität: Frischer Wind für die Kommune
Digitalisierung in der Verwaltung gleicht oft einer Achterbahnfahrt zwischen schnellen Erfolgen und zähen Frustmomenten. Joana betont jedoch, dass die eigene Haltung eine bewusste Entscheidung ist. Sie entscheidet sich immer wieder für „Vollgas“, sucht gezielt nach Fortschritten, konzentriert sich auf ihre Alliierten und weigert sich, in Frustration zu erstarren, Um eingefahrene Muster aufzubrechen, setzt sie mutig auf agile Methoden. In Plochingen packte sie für Meetingstrukturen Kärtchen und Pinnwände aus – auch wenn ein Kollege bei Folien mit bunten Kreisen anfangs dachte, sie sei verrückt geworden, gab er ihr nach kurzem Nachdenken recht. Solche kleinen Erfolge und das so aufgebaute Vertrauen bringen die nötige Energie, um auch das oft unausweichliche „Tal der Tränen“ der Innovationskurve zu durchschreiten.
Stress lass nach: Fokus auf den „Circle of Influence“
Ein zentrales Thema der begleitenden Community-Umfrage in der Frohen Stunde waren die typischen Stressfaktoren der Verwaltungsdigitalisierung: fehlende Strategien, lange Abstimmungswege oder mangelnder Weitblick. Ein Lösungsansatz kann der „Circle of Influence“ (s. Download unten) sein. Der Schlüssel liegt darin, sich nicht über übergeordnete föderale Infrastrukturprobleme oder bürokratischen Prozessen aufzureiben, die ohnehin außerhalb der eigenen Kontrolle liegen. Viel entscheidender ist es, die Energie in den direkten Nahbereich zu investieren, im eigenen Mikrokosmos kleine Fortschritte zu feiern und Verbündete vor Ort mitzunehmen.
Es kommt auf die Haltung an
Um in der oft zähen digitalen Transformation (dem unvermeidlichen „Tal der Tränen“) nicht den Mut zu verlieren, fordert Joana ein neues Selbstverständnis für den öffentlichen Dienst. Verwaltung bedeutet für sie nicht das blinde Umsetzen von Vorgaben, sondern das aktive Interpretieren von Rechtsbegriffen mit Entscheidungsfreude und Gestaltungsanspruch. Gerade im Hinblick auf kommende technologische Veränderungen auf Bundesebene müssen Kommunen organisatorisch und kulturell in der Lage sein, schnell ins Handeln zu kommen.
Fazit: Ein Zaubertrank für die baden-württembergische Verwaltung
Wenn der Verdruss doch einmal überhandnimmt, hilft Joanas ganz persönlicher Miraculix-Zaubertrank: Ausreichend Schlaf, viel Sport, gutes Essen, Erholung in der Natur und vor allem ein starkes, unterstützendes Netzwerk aus Kolleginnen und Freunden.
Die Frohe Stunde hat bewiesen: Verwaltungsdigitalisierung ist machbar – besonders, wenn man den eigenen Gestaltungsspielraum mutig nutzt. Ein riesiges Dankeschön an Joana Visel für diesen ehrlichen Einblick in den Maschinenraum der Verwaltung!
Es fasziniert mich immer wieder wie jahrtausendalte Stoische Weisheiten heute immer wieder neu erfunden werden müssen, obwohl diese uns längst bekannt und bewusst sein sollten.
Markus Aurelius hielt in seinen Briefen an sich selbst bereits mit dem Zitat „Du hast Macht über deinen Geist – nicht über äußere Ereignisse“ fest, dass man sich nur auf die Dinge konzentrieren soll, die in der eigenen Macht stehen.
Zitate von Epiktet gehen hier sogar noch weiter:
„Wer frei sein will, darf nichts begehren, was in der Gewalt eines anderen steht.“
„Willst du nie enttäuscht werden? Dann wünsche dir nichts, was nicht in deiner Macht steht.“
Lasst uns daher immer weiter mit Stoischer Gelassenheit die Digitalisierung vorantreiben und uns auf das konzentrieren was in unserer Hand liegt.