Interkommunale Zusammenarbeit – together we stand: 

In der jüngsten Ausgabe der bächle & spree Frohen Stunde stand die interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) im Fokus, geleitet durch das Motto „Interkommunale Zusammenarbeit – together we stand“. Wir hatten die große Freude, die zentralen Koordinatorinnen des Netzwerks Digitale Dörfer Rheinland-Pfalz (DD RLP) – Sarah Brühl, Julia Maurer und Silvia Barthel zu begrüßen. 

 

Als Gastgeber und Vertreter des interkommunalen Netzwerks re@di aus Baden-Württemberg, konnte Carlo dabei einige interessante Parallelen und Unterschiede zwischen den geförderten Verbünden feststellen, aber im Vordergrund stand, was die Digitalen Dörfer, mittlerweile auch schon im zehnten Jahr der Zusammenarbeit, so erfolgreich macht: Es ist die besondere Kombination aus menschlicher Nahbarkeit und flexibler Organisation.

Die Kultur des Wollens: Mindset und Macher im Fokus

Die wichtigste Essenz der interkommunalen Zusammenarbeit ist laut den Koordinatorinnen das Wollen, das Machen und das Vorangehen. Die Mitglieder des Digitalen Dörfer-Netzwerkes, das derzeit rund 65 Kommunen umfasst, kommen freiwillig, weil das Netzwerk ihnen einen großen Mehrwert bietet. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist so stark, dass das Netzwerk liebevoll als eine Art „Bande“ oder eine „Selbsthilfegruppe im positiven Sinne“ beschrieben wird.

Der Erfolg basiert auf dem Glück, tolle Mitglieder zu haben, die gerne mitmachen und unterstützen, wobei oft die sogenannten „Macher“ von selbst den Weg zum Netzwerk finden. Diese Fokussierung auf die “Macher” ist eine zentrale Gemeinsamkeit, denn auch das baden-württembergische re@di-Netzwerk weiß, dass ein solches Gefüge zum größten Teil von den aktiven TeilnehmerInnen lebt.

Für diesen Spirit ist die Offenheit der Mitglieder essenziell, die Bereitschaft, positive ebenso wie negative Erfahrungen mitzunehmen. Aus Fehlern wird gelernt, da ein Fehlschlag in der Verwaltung als eine wertvolle Erfahrung betrachtet wird. Es geht darum, die Motivation nicht zu verlieren und eine positive Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle als gut empfinden.

Koordination auf Augenhöhe und die Quereinsteiger-Kraft

Ein entscheidender Erfolgsfaktor der Digitalen Dörfer ist auch die Nahbarkeit der Koordinatorinnen. Sarah Brühl, Julia Maurer und Silvia Barthel sind selbst in Kommunen angestellt und kennen die Probleme der Mitglieder genauso gut wie diese, was eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglicht. Die größte Herausforderung der Koordination besteht dabei hauptsächlich aus Kommunikation.

Bemerkenswert ist, dass alle drei Koordinatorinnen Quereinsteigerinnen sind und nicht aus der klassischen Kommunalverwaltung stammen. Sie bringen einen neuen Wind und andere Erfahrungen in die Verwaltungsstrukturen ein. Die Koordinatorinnen sind jeweils nur zu fünfzig Prozent für das Netzwerk tätig und zu fünfzig Prozent in ihren Verwaltungen vor Ort verankert. Diese Aufteilung befruchtet die Netzwerkarbeit gegenseitig.

Flexible Struktur, „Give and Get“ und Schnittstellenfunktion

Das Netzwerk der Digitalen Dörfer ist ein kostenloses interkommunales Netzwerk, das durch das Ministerium des Innern in Rheinland-Pfalz gefördert wird. Die Kernaufgabe des Teams ist es, kooperative Angebote zu machen, wobei Impulse aus den Kommunen aufgenommen und gleichzeitig Anregungen in das Netzwerk gegeben werden. Dabei wird bewusst auf feste, am Jahresanfang geplante Themen verzichtet, um flexibel auf die aktuellen Problemlagen in den Kommunen reagieren zu können.

Das Arbeitsmodell folgt dem Motto „Give and Get“: Alle Mitglieder teilen ihr Wissen, ob positiv oder negativ, damit alle profitieren können. Dies zeigt sich darin, dass Pilotkommunen bereit sind, ihre Erfahrungen in die Breite zu streuen.

Im Gegensatz zu den Digitalisierungsbeauftragten in Baden-Württemberg (wie im re@di-Netzwerk), die oft Hauptamtliche sind, sind die Digitalbeauftragten in den kleineren Verwaltungseinheiten der Digitalen Dörfer (Verbandsgemeinden) häufig gesplittet und teilen ihre Stelle mit Aufgaben wie Tourismus oder Wirtschaftsförderung. 

Das Netzwerk als Sprachrohr

Angesichts großer Themen wie dem OZG (Onlinezugangsgesetz) oder der KI-Nutzung, die auf alle Verwaltungsgrößen – von kleinen Kommunen in RLP bis zu mittelgroßen Städten in BW – einprasseln, wird deutlich, dass auch in den kleineren Einheiten die Notwendigkeit von Vollzeitstellen für die Digitalisierung wächst. Das Netzwerk fungiert hier als wichtiges Sprachrohr gegenüber der Landesregierung (Innen- und Digitalisierungsministerium), was dem Verbund eine höhere Relevanz verschafft, als sie Einzelkommunen hätten. 

Letztlich wird die Koordination durch eine gute Kultur des Teilens innerhalb der Community entlastet: Die Kolleginnen und Kollegen stellen oft selbstständig wichtige Informationen (wie neue Verordnungen oder Dienstanweisungen) auf der informellen Plattform bereit. Das Netzwerk legt Wert darauf, nicht isoliert im „kommunalen Silo“ zu arbeiten, sondern externe Akteure wie Wissenschaft und Hochschulen einzubeziehen, um eine zukunftsfähige Verwaltung zu fördern.

Was halten wir fest?

Das Netzwerk Digitale Dörfer RLP zeigt, dass effektive interkommunale Zusammenarbeit nicht von perfekten Strukturen abhängt, die in der Theorie oft grandios erscheinen (aber die Realität anders aussieht), sondern vom Engagement und der Kultur. Der Erfolg liegt in der herzlichen Kombination aus fachlichem Austausch und informellen Gesprächen auf Augenhöhe.