Digitale Souveränität & Verwaltungsmut: Ein Rückblick auf die Frohe Stunde mit Björn Beck
Was für eine tolle Runde! Letzten Freitag hatten wir in unserer Frohen Stunde Björn Beck zu Gast – und wenn man mit dem Leiter des Innovationslabors der baden-württembergischen Landesregierung spricht, merkt man schnell: Da ist jemand am Werk, der Digitalisierung nicht nur verwalten, sondern gestalten will. Björn ist ein echter „Brückenbauer“ zwischen IT, Jura und Unternehmertum; eine Haltung, die er aus seiner Zeit als Richter und seiner frühen Gründung eines IT-Unternehmens mit in das Staatsministerium gebracht hat.
Es war eine Stunde voller Impulse, ehrlicher Einblicke und der Erkenntnis, dass „Digitale Souveränität“ viel mehr ist als ein abstraktes IT-Schlagwort. Es geht um die grundlegende Handlungsfähigkeit des Staates.
Souveränität ist keine Abschottung
Zuerst räumte Björn mit einem verbreiteten Missverständnis auf: Digitale Souveränität bedeutet nicht, sich komplett von globalen Märkten zu isolieren oder bewährte Produkte zu verbannen.
„Wir müssen erst mal ja drüber sprechen, was ist überhaupt Souveränität? Und Souveränität wird oft wirklich missverstanden mit oh, jetzt schmeißen wir die Amis raus und die Chinesen raus und machen alles selber. Und es stimmt halt nicht, ne […] Souveränität bedeutet eigentlich mehr, ich kann selber bestimmen […] Es geht einfach drum, unsere Wahl- und Entscheidungsfreiheit aufrechtzuerhalten.“
Es geht also um die Freiheit der Wahl: Wir wollen entscheiden können, ob wir Microsoft Office, OpenDesk oder LibreOffice nutzen, ohne dass unsere Daten so fest mit einem Anbieter „verbacken“ sind, dass ein Wechsel unmöglich wird.
Warum uns das Thema alle angeht: Die „Deadline“ 2029
Besonders kritisch wird es, wenn diese Wahlfreiheit durch technische Zwänge verloren geht. Björn lenkte den Blick auf ein Datum, das für die Verwaltung massive Konsequenzen haben könnte: den 9. Oktober 2029.
„Wir nutzen eben das Office 24, wird supportet bis 2029 von Microsoft und wir wissen halt nicht, was ist nach 2029 […] Wird Microsoft dann halt tatsächlich sagen, so jetzt ist 365 unser einziges Produkt und 365 funktioniert halt nur dann, wenn es mit den Microsoft Cloud Servern funkt […] Das ist natürlich ein großes Problem […] weil dann hängt ja sozusagen mein Schreibprogramm davon ab, dass ein anderer seinen Server da irgendwie am Rödeln hat.“
Wer seine gesamte digitale Infrastruktur auf fremdem Boden baut, macht sich erpressbar. Wenn Anbieter außerhalb Europas die Spielregeln ändern oder IT als geostrategisches Druckmittel eingesetzt wird, stehen wir im Regen.
KI als Werkzeug gegen den Fachkräftemangel
Ein Highlight der Diskussion war das Thema Künstliche Intelligenz. Björn sieht KI nicht als Spielerei, sondern als notwendiges Werkzeug, um dem massiven Fachkräftemangel in der Verwaltung zu begegnen. Tools wie der Textassistent F13 zeigen, wie souveräne Lösungen funktionieren können: Sie basieren auf Open Source und einer „Kiste“, in die verschiedene Länder Funktionen hineinlegen, von denen am Ende alle Kommunen profitieren. Das Ziel ist klar: Sensible Daten müssen im geschützten Raum des Staates bleiben.
Mut zum Handeln und Vernetzung
Was wir aus der Session vor allem mitnehmen: Wir brauchen in Deutschland und Europa weniger kleinteilige Regulierung und mehr Mut zum Handeln. Es geht darum, eigene Ökosysteme zu schaffen, statt nur zu versuchen, das Silicon Valley zu kopieren. Björn mahnte eindringlich, dass wir uns nicht für einen schnellen „Quickwin“ in dauerhafte Abhängigkeiten begeben dürfen.
„Wir dürfen uns nicht voll abhängig machen von außereuropäischer Technologie. […] In unserem Interesse ist es nicht, dass halt irgendwo ein Donald Trump halt sagen kann, so 20 Prozent Zoll und morgen ist die Führerscheinstelle zu. Das darf niemals passieren. Also bleibt da mutig […] vernetzt euch untereinander oder mit mir.“
Fazit: Souveränität macht Bock!
Der Weg führt über Innovationseinheiten wie das InnoLab_bw und eine „Koalition der Mutigen“, die den Systemwechsel – trotz anfänglicher Umstellungsschwierigkeiten – durchzieht. Björn brachte es am Ende auf den Punkt: „Digitale Souveränität macht halt echt auch Bock“.
Die Frohe Stunde hat mal wieder gezeigt, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Politik, Verwaltung und MacherInnen ist. Danke an Björn Beck für die Offenheit!
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