Silver Surfing – aber wie?

10.11.2019 Ein Gastbeitrag von Ria Hinken, Altersexpertin und Silver Surferin | In Deutschland sind heute 22 Millionen Menschen 60 Jahre und älter, das ist mehr als jeder Vierte. Und es werden immer mehr. Bis 2050 wird ihr Anteil voraussichtlich auf 38 Prozent ansteigen. Die Zahl der Menschen über 85 Jahre wird sich verdoppeln.

Die Anforderungen im Umgang mit Computer, Tablet und Smartphone steigen. Wenn wir nicht wollen, dass ältere Menschen digital abhängt werden, dann müssen neue Konzepte zur Vermittlung von Digital- und Medienkompetenz entwickelt und von den Kommunen kostenlos angeboten werden.

Für eine gelingende Lernsituation braucht es Vertrauen und das Wissen, wie ältere Menschen lernen, wofür sie sich interessieren und welche Angebote sie sich von den Behörden wünschen.
Wir brauchen „digitale Barrierefreiheit.“ Niederschwellige Online-Angebote der Ämter und Behörden sind wichtig, aber nicht ausreichend für eine gelingende Teilhabe. Ältere Menschen müssen sich sicher fühlen im Umgang mit Onlinebanking, Onlineshopping und der Telemedizin. Dies gilt auch für die Nutzung der sozialen Netzwerke und im Umgang mit E-Mail- und Messenger-Diensten.

Es werden dringend neue Mobilitätskonzepte benötigt, damit ältere Menschen auch im ländlichen Raum am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Manche Gemeinden haben im Dorfkern eine „Mitfahrgelegenheits-Bank“ aufgestellt. Für ältere Menschen eignet sich ein solches Angebot meist nicht, weil es zwei wesentliche Fragen offenlässt:

(1.) wie kommt man zur Bank und

(2.) wie lange muss man auf eine Mitfahrgelegenheit im Durchschnitt warten?

Menschen ohne Handycap können sich nur schwer vorstellen, was Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen benötigen, um mobil zu bleiben.

In der Ausstellung „Dialog mit der Zeit“, die in Frankfurt am Main und Berlin zu Gast war, konnte man ausprobieren, wie es ist, wenn man
• schlecht hört,
• schlecht sieht,
• einen Tremor hat,
• schlecht gehen kann usw.

Nun mag der eine oder die andere denken, dass diese Probleme von den städtischen Seniorenbüros gelöst werden sollten. Damit wären diese jedoch überfordert. Kommunen sind verpflichtet, alle Bürger und Bürgerinnen auf dem Weg zur Digitalisierung mitzunehmen. Das kann nur gelingen, wenn es für die unterschiedlichen Zielgruppen jeweils eine passende Kommunikationsstrategie gibt.

Mehr über Ria Hinken: https://alterskompetenz.info/

SWR-Talk mit Ria Hinken zum Thema „Sicher vernetzt – mit sechzig plus“ (Video)