Öffentliches WLAN in Kommunen

21.9.2018 | In vielen Städte wird gerade das Thema WLAN diskutiert, in einigen auch schon eifrig aufgebaut. Dabei fällt immer öfter auf, dass öffentliches WLAN als eine Art „Muss“-Infrastruktur verstanden und häufig wenig langfristig konzeptionalisiert wird. Ein großes Angebot an Dienstleistern, die den Kommunen in Planungs- und Umsetzungsarbeiten sowie der Instandhaltung behilflich sind, macht die Bereitstellung des Angebots recht simpel. Nach- oder gar Mehrwerthaltig ist dies in den wenigsten Fällen.

Wir empfehlen deshalb, das Kommunen sich vor dem Aufbau eines WLAN-Angebots einige grundlegende Gedanken machen. Dazu zählt als einer der ersten Aufgaben die Analyse welchen Bedarf es überhaupt gibt, welche konkreten Zielgruppen entsprechend interessant sind und welches konkrete Ziel das Angebot inne haben soll. Diese Schritte lassen sich nur selten in der „Denkburg“ Verwaltung identifizieren, dazu bieten sich Beteiligungsformate und -prozesse mit den Bürgerinnen, der Wirtschaft, Einzelhändlern, Touristen etc – kurzum mit allen in Frage kommenden Zielgruppen an.

Aus der ersten Analyse und der Bedarfsermittlung ergeben sich meist automatisch viele Indizien auf eine weitere wichtige Entscheidung: greift die Kommune auf ein Angebot eines Dienstleisters zurück oder baut sie die WLAN-Infrastruktur gar selbst auf. Die erste Option ist offenkundig die einfachere, kauft man sich doch einen „Generaldienstleister“ ein, der das Projekt im Sinne der Kommune und vor allem „sorgenfrei“ umsetzt. Nachteilig ist aber, dass es sich idR um skalierbare und nicht maßgeschneiderte Produkte und Services handelt und nicht selten hat die Kommune in der Planung kein Mitspracherecht und erst recht keinen Zugriff auf die wertvollen Daten, die erhoben werden. Setzt die Kommune das Projekt in Eigenregie um, hat sich nicht nur Planungshoheit, sondern öffnet sich alle Potenziale für die nachhaltige Nutzung eines öffentlichen WLAN-Netzwerkes. Nachteilig ist, dass es sich dabei um ein recht umfassendes Unterfangen handelt, das nicht nur die technischen, sondern auch rechtlichen Kenntnisse erfordert. Aber keine Bange, es gibt sie, die Kommunen, die den Weg gegangen sind und die sicher auch Amtshilfe leisten – auch in Baden.

Was sind nun nachhaltigen Mehrwerte in Bezug auf ein WLAN-Angebot? Diese können vielfältig sein. Beispielsweise hat die Stadt die Möglichkeit, sich über ein das WLAN-Angebot einen eigenen Kommunikations- und Marketingkanal zu den Zielgruppen aufzubauen. Das heißt, das Angebot wird kombiniert mit weiteren Services oder Angeboten. „Walled gardens“ sind eine Möglichkeit ähnlich wie bei klassischen Email-Providern. Das heißt, die Login-Seite des Netzwerkes wird mit spannenden Inhalten für die Nutzer angereichert: Stadtinformationen (Einladungen, Umfragen, Links zu städtischen Online-Angeboten, Verkehrsinformationen etc.), Angebote der Einzelhändler/Zugang zum Online-Marktplatz, Touristische Angebote etc. Das können in Kombination mit entsprechendem Netzwerken auch „sichere“ Angebote oder datenintensive Anwendungen sein.

Ein Mehrwert für die Kommune selbst, ist insbesondere der uneingeschränkte Zugriff auf erhobene Daten (natürlich nicht personenbezogen) und die Verarbeitung dieser. Schon alleine die Bereitstellung und Nutzung eines öffentlichen WLAN-Netzwerkes ergibt ein spannendes Volumen an Daten, die auswertbar sind. Mit der strategischen Aufstellung der access points ist es möglich die Frequentierung von bestimmten Arealen zu ermitteln sowie Bewegungsprofile zu erstellen. Weitere Angebote (am wirkungsvollsten sind Umfragen) ermöglichen eine noch genauere Datengenerierung. Und der Einsatz von Sensorik, Bluetooth oder Sensorik gestatten es sogar mit den Nutzern zu kommunizieren. Bestenfalls findet die Umsetzung im Rahmen von Open-Data-Projekten statt. Es sind schließlich Daten, die die Bürger zur Verfügung stellen.

Klar ist, dass ein öffentliches WLAN, wie alle Maßnahmen der Digitalisierung, kein Selbstzweck sein darf. Die Nutzungsmöglichkeiten für Gemeinden und Städten sind immens, wenn das Projekt nur ein wenig durchdacht ist.