Innovieren und digitalisieren

23.6.2019  |  Wir erleben im digitalen Wandel gerade einen Boom an neuen und innovativen Methoden, Ideen und Konzepten, die über die Verwaltung ausgeschüttet werden: Design Thinking, Agilität, Barcamp, Fishbowl, New Work und und und. Allerdings muss man das ganze bei aller Liebe auch etwas nüchtern betrachten und den eigentlichen Gedanken dahinter fassen. Das wichtige bei allem digitalen Wandel ist, immer und immer wieder festzuhalten, dass Innovation damit beginnt, nicht gleich Nein zu sagen. Es ist ein Wesensmerkmal von Behörden bei neuen, nicht standardisierbaren Prozessen, die Zuständigkeit zu prüfen. Fällt die Prüfung negativ aus, dann befasst man sich nicht damit. Aus dem alten Konzept von Verwaltung gedacht ist das auch richtig. Neues entsteht dabei nicht. Und das gilt für jedwede Innovation.

Agilität bedeutet (einfach gesagt) im Grunde nichts anderes als eine hohe Kommunikationsdichte im Projektmanagement und ein dazu passendes Mindset. Wenn man sich oft zu einem Thema fokussiert austauscht und dazu auch jemand die Verantwortung übernimmt (Scrum Master), dann ist per se einleuchtend, dass man zu anderen, zielorientierteren Ergebnissen kommt. Im Design Thinking steht das Ziel im Fokus, Dinge so auszugestalten, dass diejenigen, die das Angebot nutzen sollen, nicht schon am Design scheitern. Das klingt zunächst trivial, aber haben Sie schon mal Service-BW besucht? Design ist unglaublich wichtig und das Design Thinking erlaubt Annahmen darüber zu treffen. Die im Design Thinking angewandte Methode der „Customer Journey“, der Kunden- oder Bürgerreise, erlaubt sogar spannende Rückschlüsse über die Nutzer, und zwar ohne Sie beteiligen zu müssen. Für kommunale Verwaltungen ein sehr spannender Ansatz, der nichts desto trotz natürlich gegen Partizipation abgewogen werden muss. Mit dem Konzept der „New Work“, erreichen so langsam nicht unbekannte Tatsachen das Bewusstsein der Führungsebene und der Mitarbeitenden in Verwaltungen: 9-to-5 passt nicht mit unserem Biorythmus, der Arbeitsplatz von heute/morgen ist nicht mehr nur stationär (ja, Home Office ist eine realistische Option), Mitarbeiter brauchen Vertrauen, Hierarchien sind kein Muss und und und. Auf einige dieser Annahmen kommt man durch logische Schlussfolgerung oder Erfahrung, auf andere durch Wissenschaft. Am Ende geht es immer darum, die kommunale Verwaltung als Organisation den sich immer schneller ändernden Rahmenbedingungen anzupassen und fortzuentwickeln.

Warum rede ich gleich über das große Rad Innovation, wenn es doch nur um den „digitalen Wandel“ geht? Nun. Digitalisierung ist nur das Handwerkszeug. Aber auch der Umgang mit unserem Werkzeug will gelernt sein, vor allem, wenn dieses weitreichende Auswirkungen auf unser Umfeld hat. Digitalisierung ermöglicht uns einfacher als bisher mobiles, gemeinsames und führungsfreies Arbeiten. Digitale Angebote müssen künftig von den Menschen gerne und intuitiv genutzt werden müssen, da wir sonst nicht die Daten erhalten wegen der wir überhaupt digitalisieren. Und bei alledem, geht es immer auch um Beteiligung: die Menschen müssen auch im digitalen Wandel und in der Organisationsentwicklung eingebunden werden. Und auch da wird uns der die Digitalisierung hilfreich sein.