Digitalisierung und Engagement

14.11.2018  |  Zu den großen Herausforderungen der Digitalisierung in den Kommunen gehört die Kommunikation dessen, was da passiert. Der eGovMonitor hat es gerade eben erst erhoben: die Nutzung von eGovernment-Angeboten ist rückläufig. Es gibt Zahlen die belegen, dass dies nicht nur an Vorbehalten gegenüber der Digitalisierung liegt, sondern eben auch daran, dass die Menschen nichts davon wissen – nicht, was Digitalisierung als eGovernment und als Smart City bedeutet, und zu oft auch nicht, worin die Angebote überhaupt bestehen. Das darf niemanden wundern, der wirklich Ahnung hat wie Kommunen und vor allem ihre Verwaltungen funktionieren.

Zu eine der Hauptübungen der Initiierungen gehört die Auseinandersetzung mit den Zielgruppen, die in einer digitalen Strategie relevant werden. Verwaltungen haben über die Jahre hinweg ganz generisch Zielgruppen verortet. Die Tradition gehört im Rahmen der Digitalisierung aber auf den Prüfstand. Denn jede Zielgruppen kann in der Kommunikationsstrategie des Digitalen Wandels plötzlich eine neue Relevanz bekommen, die unter Umständen sehr wertvoll ist. Es geht schließlich darum die Menschen zu überzeugen und sie zu ertüchtigen. Man denke nur an Seniorinnen, die mittels niedrigeschwelliger Bildungsangeboten plötzlich zu „Silver Surfern“ werden – aus einer ehemals fast schon „gefürchteten“ Zielgruppe, werden plötzlich attraktive Multiplikatoren.

An dieser Stelle kommt das Engagement ins Spiel. Man muss nicht unbedingt jede Zielgruppe anfassen und neu bewerten. Man kann unter Umständen auch einen einfacheren Weg. In jeder Stadt gibt es ein Vereinswesen sowie ein bürgerschaftliches Engagement. Das sind Menschen, die sind bereits aktiviert bzw. motiviert – aus welchem Interesse auch immer. Und das ist schon einmal der erste Pluspunkt. Ein zweiter Pluspunkt ist, dass es eine absolut heterogene Zielgruppe ist, die man mehr oder minder auch als Querschnitt der Stadtgesellschaft sehen kann. Sicherlich nicht lupenrein, aber umso größer das Engagement der Menschen und in den Vereinen, umso mehr trifft die Annahme zu. Der dritte Pluspunkt ist, dass es in vielen Kommunen bereits einen direkten Zugang bzw. einen direkten Draht gibt: den/die Beauftrage/n für BE. Er hat eine Brückenfunktion inne, die für die Kommunen sehr spannend werden kann.

Ein Deal im Sinne der Digitalisierung kann nun daraus werden, wenn Kommunen und das BE sowie die Vereine sich gegenseitig befruchten. Insbesondere die Vereine stehen vor großen und umwälzenden Herausforderungen, für die die Stadtverwaltung Angebote schnüren kann. Stichpunkte sind der Demographische Wandel und Mobilisierung von Neu-Mitgliedern, Flexibilisierung und Modernisierung sowie Datenschutz (DSGVO). In allen Fällen könnte die Stadtverwaltung digitale Angebote auf den Weg bringen, die dem BE und den Vereinen nutzen. Das können Vernetzungsangebote, Plattformen oder konkrete Handreichungen sein, die digital bereitgestellt werden. Im Gegenzug werden das BE und die Vereine Multiplikator für die Digitalisierung. Ein Multiplikator, der das digitale Ökosystem der Stand in die Stadtgesellschaft hinein trägt – sowohl in technischer, als auch in partizipatorischer Hinsicht. Noch sinniger wird eine solche Zusammenarbeit, wenn Stadtverwaltung und Stadtengagement im Sinne einer „Bürger-Charta“ eine langfristige Partnerschaft eingehen. Eine Partnerschaft, die auch Verantwortungen übertragen kann, die Teil einer digitalen Strategie sind.