Bibliotheken als digitales Zentrum der Städte

25.08.18 | Bibliotheken sind für die Kommunen eine freiwillige Aufgabe. Sie müssen keine Bibliotheken vorweisen. Trotzdem hat nahezu jede Kommune eine Bibliothek oder eine Mediathek. Es liegt wohl im Fluch der Freiwilligkeit, dass die Mehrheit der Bibliotheken in Deutschland ein tristes Schattendasein fristet: viele Bücher stehen in einem Raum, die meist wenig inspirativ im Ambiente und in der Regel nur in Kernzeiten von 10 bis 17 Uhr (wenn man Glück hat) zugänglich sind. Oft wird dann noch auf die Möglichkeit der „Onleihe“ verwiesen oder die ein bis zwei „Web“-Arbeitsplätze (Pentium II mit Internetkabelanschluss) und dann ist das Ding auch schon smart. Man soll nicht pauschalisieren und ja es gibt tendenziell auch schon besser ausgestattete Bibliotheken (meist in größeren, meist in Uni-Städten). Aber auch da ist das Rad nicht weit gedreht worden.

Theoretisch gibt es schon viele nachhaltige Überlegungen, wie man der Bibliothek neues Leben einhauchen kann und die bächle & spree sehr großartig findet. Ich fass das mal zusammen unter dem Begriff des Webplatzes. Ein jeder kennt den Marktplatz auf dem man sich gerne trifft, flanieren, shoppen oder Erledigungen machen kann und an dem sich nicht selten auch das Rathaus befindet, wo man hin und wieder Behördengänge erledigt. Der Markplatz ist ein lebendiger Teil der Stadt, Treffpunkt und Ort der Begegnung. Warum denken wir Bibliotheken nicht in Analogie und zwar mit einer wichtigen und nachhaltigen Komponente: der Digitalisierung, also eben als Webplatz. Die smarte Stadt wird künftig nicht ohne öffentliche, digitale Services und Produkte leben können. Und der Webplatz bzw. die Bibliothek könnte deren Herzstück werden.

Es gibt dazu spannende Konzepte, in denen die Bibliothek weit mehr als nur Bücherei ist, sondern auch das „digitale Zentrum“ der Stadt. Bürgerinnen und Bürger laufen diese dann gerne an, weil Sie dort nicht nur verschiedene E-Services (Rathaus, Verwaltung, lokale Verlage, Beratungsangebote, E-Learning-Angebote etc.) annehmen können, sondern weil sie dort auch an digitalen, modernen Arbeitsplätzen (state of the art) im Coworking oder im Maker Space arbeiten oder sich vernetzen oder an Bildungsangebote rund um digitale Technologien und Kanäle teilnehmen können. Wissensvermittlung wird schon bald nicht mehr nur hauptsächlich über Bücher, sondern über digitale Kanäle stattfinden. Wenn man das in Bibliotheken mitdenkt, können diese eine neue und vor allem spannende Existenzberechtigung erfahren. Und eines kommt übrigens auch nicht zu kurz. Auch mit einem höchsten Maß an Digitalisierung ist es dennoch ein Ort der Begegnung „live“ und kein virtueller Raum. Geht nicht? Geht doch. Schaut mal hier:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/die-zukunft-der-bibliothek-das-dokk1-in-aarhus-13834316.html

Foto: www.dokk1.dk